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Internet ummelden

Die einzige Aufgabe nach dem Umzug, bei der Verzögerung wirklich weh tut. Warum du zuerst den Umzug meldest und nie vorsorglich kündigst.

Zuletzt geprüft im September 2026 Rechtsgrundlage genannt

Der Schritt mit dem längsten Vorlauf

Von allen Aufgaben nach einem Umzug ist der Internetanschluss die einzige, bei der Verzögerung tatsächlich weh tut. Strom lässt sich in Tagen klären, die Bank in Minuten, ein Anschluss kann Wochen brauchen, und in dieser Zeit arbeitest du über Mobilfunk oder gar nicht.

WLAN-Router
Der Schritt mit dem längsten Vorlauf, vier bis sechs Wochen. Foto: Master Of Bad Composition and Framing, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Der Grund liegt in der Technik. Ist am neuen Anschluss bereits eine Leitung geschaltet, geht es schnell. Muss der Netzbetreiber erst eine Leitung bereitstellen, einen Techniker schicken oder gar bauen, dauert es, und darauf hat dein Anbieter nur begrenzten Einfluss.

Melde den Umzug deshalb vier bis sechs Wochen vorher. Das ist nicht übervorsichtig; es ist der Zeitraum, den Anbieter selbst für eine reibungslose Umschaltung angeben.

Und prüfe, bevor du den Mietvertrag unterschreibst, welche Anschlussart an der Adresse überhaupt verfügbar ist. Ein gebuchter Tarif, der dort nicht liefert, ist ein langwieriges Ärgernis, und die Verfügbarkeit lässt sich in zwei Minuten online prüfen.

Vertrag mitnehmen oder kündigen

Das Telekommunikationsrecht kennt für den Umzug eine eigene Regelung, und sie ist mieterfreundlich.

Kann dein Anbieter dich an der neuen Adresse beliefern, hast du Anspruch darauf, dass er die Leistung dort zu denselben Vertragsbedingungen erbringt. Der Vertrag läuft weiter, die Laufzeit verlängert sich dadurch nicht. Der Anbieter darf für den Umzug ein angemessenes Entgelt verlangen.

Kann er dich nicht beliefern (weil an der neuen Adresse keine passende Leitung liegt), steht dir ein Sonderkündigungsrecht zu. Du kommst also auch aus einer laufenden Mindestvertragslaufzeit heraus.

Die praktische Konsequenz: Melde immer zuerst den Umzug, nicht die Kündigung. Erst die Antwort des Anbieters entscheidet, welcher der beiden Wege dir offensteht, und eine vorschnelle Kündigung verschenkt das Sonderkündigungsrecht.

Was an deiner Adresse verfügbar ist

Die Verfügbarkeit unterscheidet sich nicht nur von Stadt zu Stadt, sondern von Haus zu Haus. Vier Anschlussarten kommen in Frage.

DSL über die Telefonleitung. Fast überall verfügbar, in der Geschwindigkeit aber stark von der Entfernung zum Verteiler abhängig. Zwei Häuser weiter kann derselbe Tarif deutlich langsamer sein.

Kabel. Wo ein Kabelanschluss liegt, sind hohe Geschwindigkeiten günstig zu haben. Der Upload fällt bei vielen Kabeltarifen allerdings deutlich niedriger aus als der Download, für Videokonferenzen und Cloud-Backups ist gerade er entscheidend.

Glasfaser. Die beste Variante, wo sie liegt. Achte auf den Unterschied zwischen Glasfaser bis ins Haus und Glasfaser nur bis zum Verteilerkasten, nur das erste liefert die beworbenen Werte zuverlässig.

Mobilfunk als Festnetzersatz. Eine Lösung für Adressen ohne brauchbare Leitung und eine gute Überbrückung, wenn der Anschluss sich verzögert. Achte auf das Datenvolumen und darauf, dass die Geschwindigkeit von der Auslastung der Funkzelle abhängt.

Frag zusätzlich den Vermieter oder die Nachbarn. Sie wissen aus Erfahrung, was im Haus tatsächlich funktioniert, und das weicht von der Verfügbarkeitsabfrage gelegentlich ab.

So läuft die Umschaltung

Melde den Umzug über das Kundenportal oder telefonisch, mit der neuen Adresse, dem Umzugsdatum und der Lage der Wohnung im Haus. Die Etagenangabe ist wichtig, weil der Techniker den richtigen Anschluss finden muss.

Der Anbieter nennt dir dann einen Schalttermin. Liegt er nach deinem Einzug, planst du die Lücke ein, mit einem mobilen Hotspot oder einer Datenkarte für die Übergangszeit.

Ist ein Technikertermin nötig, musst du oder eine bevollmächtigte Person vor Ort sein. Verpasste Termine kosten Gebühren und einen neuen Termin, der wieder Wochen entfernt liegen kann.

Halte den Termin frei und plane Puffer ein. Techniker kommen in einem Zeitfenster, nicht zu einer Uhrzeit, und das Fenster umfasst häufig einen halben Tag.

Nimm den Router mit, wenn er dir gehört. Ist er gemietet, klärt sich mit dem Anbieter, ob er weiterverwendet wird oder ausgetauscht werden muss, die Anschlussart bestimmt das Gerät.

Prüfe nach der Umschaltung die tatsächliche Geschwindigkeit. Bleibt sie erheblich hinter dem Vertrag zurück, gibt es dafür ein Messverfahren der Bundesnetzagentur, und ein dokumentierter Minderwert berechtigt zur Minderung des Entgelts.

Umzug als Anlass zum Wechsel

Steht dir ein Sonderkündigungsrecht zu, ist der Umzug ein guter Moment, den Anbieter zu prüfen, und selbst ohne Sonderkündigung lohnt der Blick, weil Bestandskunden selten die besten Konditionen haben.

Wechselst du, achte auf den Anbieterwechsel ohne Unterbrechung. Der neue Anbieter ist verpflichtet, den Wechsel so zu organisieren, dass die Versorgung nicht länger als einen Tag ausfällt. Beauftrage ihn mit der Kündigung beim alten Anbieter, statt selbst zu kündigen, dann liegt die Koordination bei ihm.

Kündigst du dagegen selbst, entsteht genau die Lücke, die die Regelung verhindern soll: Der alte Vertrag endet zum Kündigungstermin, der neue beginnt, wenn der Techniker Zeit hat.

Prüfe beim Vergleich nicht nur den Preis der ersten zwölf Monate, sondern den Preis danach, die Mindestlaufzeit, die Kündigungsfrist und die Kosten für Bereitstellung, Router und Technikertermin. Diese Nebenkosten machen bei kurzen Laufzeiten einen erheblichen Teil aus.

Wie viel Geschwindigkeit du wirklich brauchst

Beim Wechsel lohnt es, den Bedarf ehrlich zu bestimmen, statt die höchste beworbene Zahl zu buchen. Die Tarifstufen unterscheiden sich im Preis deutlich, im Alltag oft kaum.

Für einen Haushalt, in dem gestreamt, gesurft und gelegentlich videotelefoniert wird, reichen mittlere Bandbreiten aus. Entscheidend wird die Geschwindigkeit erst, wenn mehrere Personen gleichzeitig große Datenmengen bewegen, bei mehreren parallelen Videokonferenzen, bei Cloud-Backups oder beim Herunterladen großer Spiele.

Achte stattdessen auf zwei Werte, die selten beworben werden. Der Upload entscheidet über die Qualität deiner Videokonferenzen und die Dauer von Backups. Die Latenz bestimmt, wie reaktionsschnell sich alles anfühlt, bei Spielen und Videotelefonie mehr als jede Bandbreite.

Wenn du im Homeoffice arbeitest, ist der Upload der Wert, auf den es ankommt. Genau er ist bei günstigen Kabeltarifen der Schwachpunkt, und er lässt sich nachträglich nicht verbessern, ohne den Tarif zu wechseln.

Anschluss in der WG

In einer Wohngemeinschaft stellt sich zusätzlich die Frage, auf wen der Vertrag läuft, und die hat Folgen, die über die Rechnung hinausgehen.

Wer den Vertrag unterschreibt, haftet allein für das Entgelt, unabhängig von den Absprachen in der WG. Zieht er aus, endet der Anschluss für alle, sofern der Vertrag nicht übertragen wird.

Eine Vertragsübernahme ist bei den meisten Anbietern möglich, braucht aber die Zustimmung aller Beteiligten und des Anbieters. Kläre das, bevor jemand auszieht, hinterher fehlt der Ansprechpartner.

Und bedenke die Verantwortung für den Anschluss: Wer ihn hält, ist der Ansprechpartner bei Rückfragen zur Nutzung. Ein offenes WLAN in einer WG ist deshalb keine gute Idee, sondern ein vermeidbares Risiko für die Person im Vertrag.

Telefonnummer und Zusatzdienste

Ob du deine Festnetznummer mitnehmen kannst, hängt vom Ortsnetz ab. Innerhalb desselben Vorwahlbereichs ist die Mitnahme in aller Regel möglich; über die Grenze des Ortsnetzes hinaus meist nicht.

Ist die Nummer für dich wichtig, kläre das vor der Ummeldung. Eine Alternative ist eine Internet-Telefonnummer, die ortsunabhängig funktioniert, sie lässt sich parallel führen, solange die alte noch aktiv ist.

Denk auch an die Dienste, die am Anschluss hängen: E-Mail-Adressen des Anbieters, Cloud-Speicher, TV-Pakete und Streaming-Optionen. Sie enden mit dem Vertrag, und eine E-Mail-Adresse zu verlieren, an der Konten hängen, ist der unangenehmste Teil eines Anbieterwechsels.

Wer sie noch nutzt, sollte vor dem Wechsel auf eine anbieterunabhängige Adresse umstellen und die wichtigsten Konten umtragen. Das dauert einen Abend und erspart Jahre an Nachwirkungen.

Wenn sich der Anschluss verzögert

Verzögerungen sind bei Internetanschlüssen die Regel, nicht die Ausnahme, und du bist ihnen nicht schutzlos ausgeliefert.

Der Anbieter muss den Anschluss zum vereinbarten Termin bereitstellen. Tut er es nicht, hast du für jeden Tag ohne Leistung Anspruch auf eine Entschädigung, wenn die Verzögerung von ihm zu vertreten ist. Dasselbe gilt für einen versäumten Technikertermin.

Wichtig ist die Dokumentation. Halte den zugesagten Termin schriftlich fest, notiere jeden Kontakt mit Datum und Namen, und setze bei einer Verzögerung schriftlich eine Frist. Ein Telefonat ohne Notiz ist im Streitfall nicht vorhanden.

Kommt es zu keiner Lösung, ist die Bundesnetzagentur die Anlaufstelle. Sie betreibt ein Schlichtungsverfahren für Streitigkeiten mit Telekommunikationsanbietern, das für dich kostenfrei ist und in vielen Fällen schneller zum Ziel führt als der Weg über den Kundenservice.

Für die Überbrückung: Ein Datentarif mit Hotspot-Funktion reicht für Homeoffice und Videokonferenzen aus, wenn der Empfang stimmt. Prüfe das am besten schon bei der Besichtigung, der Mobilfunkempfang in jedem Zimmer gehört ohnehin auf die Prüfliste.

Häufige Fragen

Wie früh muss ich den Umzug melden?

Vier bis sechs Wochen vorher. Es ist der Schritt mit dem längsten Vorlauf.

Kann ich meinen Vertrag mitnehmen?

Ja, wenn der Anbieter an der neuen Adresse liefern kann. Er muss dann zu denselben Bedingungen erbringen, ohne die Laufzeit zu verlängern.

Und wenn er dort nicht liefern kann?

Dann hast du ein Sonderkündigungsrecht, auch innerhalb der Mindestvertragslaufzeit.

Soll ich vorsichtshalber kündigen?

Nein. Melde zuerst den Umzug, eine vorschnelle Kündigung verschenkt das Sonderkündigungsrecht.

Wie überbrücke ich die Zeit ohne Anschluss?

Mit einem mobilen Hotspot oder einer Datenkarte. Plane die Lücke ein, statt auf den Termin zu hoffen.

Kann ich meine Festnetznummer behalten?

Innerhalb desselben Ortsnetzes in der Regel ja, darüber hinaus meist nicht.

Was ist bei Kabelanschlüssen zu beachten?

Der Upload fällt oft deutlich niedriger aus als der Download, für Videokonferenzen ist er der entscheidende Wert.

Was passiert mit meiner Anbieter-E-Mail-Adresse?

Sie endet mit dem Vertrag. Stelle vorher auf eine anbieterunabhängige Adresse um und trage die wichtigsten Konten um.

Auf einen Blick
Anbieter kann liefernVertrag läuft weiter, Laufzeit verlängert sich nicht
Anbieter kann nicht liefernSonderkündigungsrecht
Reihenfolgeerst Umzug melden, dann entscheiden, nie vorschnell kündigen
Bei Wechselneuen Anbieter kündigen lassen, dann max. 1 Tag Ausfall
VerzögerungEntschädigungsanspruch, Schlichtung bei der Bundesnetzagentur