Ein Umzug besteht aus zwei Hälften: der sichtbaren mit Kartons, Transporter und Freunden, die Rückenschmerzen bekommen, und der unsichtbaren mit Behörden, Verträgen und Fristen. Die zweite Hälfte entscheidet darüber, ob du drei Monate später noch den alten Stromvertrag zahlst oder ob die Kaution pünktlich kommt. Dieser Überblick kümmert sich nur um die unsichtbare Hälfte, sortiert nach dem Zeitpunkt, an dem du sie anpacken solltest. Den kompletten Ablauf mit Kartons und Umzugstag zeigt die Umzugscheckliste.

Die Anmeldung beim Meldeamt hat ihre eigene Seite bei uns, inklusive der Wohnungsgeberbestätigung und der Frage, ob du jemanden mit einer Vollmacht zur Ummeldung schicken darfst. Hier geht es um alles drumherum.
Drei Monate vorher: Kündigen und planen
Die alte Wohnung hat meist drei Monate Kündigungsfrist, also beginnt der Umzug auf dem Papier drei Monate vor dem Auszug. Im selben Schritt lohnt ein Blick auf alle Verträge, die an die Adresse gebunden sind: Internet, Strom, Gas, Fitnessstudio, Zeitung. Internet- und Telefonanbieter müssen dich mit drei Monaten Frist gehen lassen, wenn sie an der neuen Adresse nicht liefern können, das regelt das Telekommunikationsgesetz. Strom- und Gasverträge ziehen meist mit, die Kündigung ist dort nur sinnvoll, wenn der Tarif schlecht ist.
Vier Wochen vorher: Nachsendung und Übergabe vorbereiten
Der Nachsendeauftrag ist die Versicherung gegen alles, was du vergessen hast. Die Deutsche Post bietet ihn auf deutschepost.de für sechs oder zwölf Monate an, und die längere Variante ist fast immer die bessere, weil die Jahresabrechnungen von Versicherung und Energieversorger erst Monate nach dem Umzug kommen. Vereinbare in derselben Woche den Übergabetermin mit dem alten Vermieter und kläre, ob Schönheitsreparaturen fällig sind. Viele Klauseln dazu sind unwirksam, aber das solltest du vor dem Termin wissen, nicht währenddessen.
Die Übergabe: Protokoll statt Vertrauen
- Zählerstände: Strom, Gas, Wasser, Heizung ablesen, fotografieren und ins Protokoll schreiben. Ohne Zählerstand schätzt der Versorger, und das selten zu deinen Gunsten.
- Mängel: Jeden Kratzer, der nicht von dir stammt, ins Protokoll der neuen Wohnung. Jeden, der von dir stammt, beim Auszug ehrlich benennen.
- Schlüssel: Alle Schlüssel zählen und die Anzahl ins Protokoll. Ein fehlender Schlüssel ist der häufigste Grund für Kautionsabzüge.
- Unterschriften: Beide Seiten unterschreiben, jede Seite behält ein Exemplar. Ein Foto vom unterschriebenen Protokoll reicht nicht.
Die ersten zwei Wochen danach: Behörden
Innerhalb von zwei Wochen nach dem Einzug musst du dich ummelden, mit Wohnungsgeberbestätigung und Ausweis. Die Kfz-Zulassung muss ebenfalls geändert werden, in vielen Städten inzwischen online. Banken, Versicherungen und der Arbeitgeber brauchen die neue Adresse, und bei der Hundesteuer musst du den Hund in der alten Gemeinde ab- und in der neuen anmelden, mit teils sehr unterschiedlichen Sätzen, wie unsere Übersicht zur Hundesteuer zeigt.
Die Kaution: Fristen und was abgezogen werden darf
Der alte Vermieter muss die Kaution nicht am Tag der Übergabe zurückzahlen, sondern hat eine angemessene Prüffrist, die Gerichte meist mit drei bis sechs Monaten ansetzen. Einen Teil darf er für die noch ausstehende Nebenkostenabrechnung zurückhalten, aber nicht die ganze Summe. Abziehen darf er nur Schäden, die über normale Abnutzung hinausgehen, und offene Mieten. Nach sechs Monaten ohne Abrechnung solltest du schriftlich mahnen und eine Frist von zwei Wochen setzen. Die Schufa erklärt auf schufa.de, dass eine zurückbehaltene Kaution keinen Eintrag erzeugt, eine unbezahlte Mietforderung des Vermieters nach Mahnverfahren dagegen schon. Streit um die Kaution sollte deshalb nie in ein Mahnverfahren laufen, ohne dass du reagierst.
Fazit: Die unsichtbare Hälfte zuerst
Verträge drei Monate vorher, Nachsendung und Übergabe vier Wochen vorher, Behörden in den ersten zwei Wochen, Kaution nach sechs Monaten anmahnen: Wer diese vier Zeitpunkte im Kalender hat, erledigt die unsichtbare Hälfte des Umzugs nebenbei. Die Kartons sind dann das kleinere Problem.